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Handykonsum während dem Stillen – Wie beeinflusst die geteilte Aufmerksamkeit die Stillbeziehung?

Handykonsum während dem Stillen – Wie beeinflusst die geteilte Aufmerksamkeit die Stillbeziehung?

Geschrieben von Hebamme Esther von Informed Motherhood

Stillen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern führt auch zu einer Freisetzung des Kuschelhormons Oxytocin bei Mutter und Baby. Es gibt jedoch zahlreiche Gründe die Eltern zum Smartphone greifen lassen neben ihrem Baby. Ein kurzer Blick aufs Handy, schnell eine Nachricht beantworten, recherchieren um sich Anregungen zur Gestaltung des Familienalltags zu holen oder auch einfach nur fehlende Anerkennung oder soziale Kontakte kompensieren. Das Handy erfüllt zahlreiche Funktionen im Alltag, wie auch das Organisieren von Terminen, das Kommunizieren, Fotografieren und vieles mehr. Doch was passiert bei der Nutzung eigentlich mit den anwesenden Personen, vor allem wenn es sich um ein Baby handelt? 

Medien zu nutzen kann auch Vorteile haben, wie beispielsweise Wissen zu erwerben oder Einsamkeit zu überwinden. Weiters wird es laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2021 zu 58% zum Spannungsabbau in Krisensituationen und zu 75% zur Inspiration nach Beschäftigungsideen mit dem Kind genutzt (Vgl. Bleckmann et al, 2022:29). 

Der soziale Rückzug durch die Coronapandemie hat zum Anstieg medialer Kommunikationsformen geführt. Daher sollten sich vor allem Mütter die Frage stellen, welchen Einfluss der steigende Handykonsum auf das sozio-emotionale Verhalten, die Bindung und die Interaktion während der Ernährung ihres Babys haben kann. 

Der Druck auf Eltern ist groß, alles richtig zu machen. Die Problematik digitaler Technologien liegt jedoch darin, dass sie die Aufmerksamkeit intensiv binden und damit dem Kind entziehen.

Weltweit beschäftigen sich zahlreiche Wissenschaftler* Innen damit, welchen Einfluss die geteilte Aufmerksamkeit auf die Entwicklung von Säuglingen hat. Beispielsweise merken Bleckmann et al. (2022) an, dass unmittelbare Begegnungen mit empathischen Menschen für eine gesunde Entwicklung in der Kindheit unabdingbar sind. Weiters ist es auch wichtig die Welt mit allen Sinnen begreifen zu können (Bleckmann et al., 2022). 

Aus neurologischer Perspektive weiß man, dass sich in den ersten Lebensjahren im Gehirn Bereiche entwickeln und reifen, welche für die Emotionsverarbeitung zuständig sind. Weiters entwickeln sich die strukturierenden Funktionen des Großhirns, wie der Frontallapen, mit Hilfe von Co-Regulation. Co-Regulation bedeutet, dass ein Mensch (meist ein Erwachsener) einem anderen (Kind) hilft, sein übererregtes Nervensystem zu beruhigen und Emotionen zu regulieren. Dies geschieht durch Ruhe, körperliche Präsenz, Spiegelung und Zuwendung, was Sicherheit vermittelt und langfristig die Fähigkeit zur Selbstregulation fördert. Daher sind emotional zugewandte Eltern sehr wichtig für ihren Nachwuchs um die eigene Regulation zu erlernen. Besonders Neugeborene benötigen eine nährende, haltende, schützende und ausgleichende Umgebung und sind von Geburt an interessiert an sozialen Interaktionen. Ihre Aufmerksamkeit wird vorwiegend menschlichen Gesichtern und Stimmen zugewendet. Der Begriff „intuitive parenting“ beschreibt eine in den Eltern biologisch verankerte, intuitive Fähigkeit zur Kommunikation mit dem Baby die es ermöglicht, die Signale des Babys zu verstehen. Positive Erfahrungen wie Augenkontakt, Stimme und Berührung beeinflussen die Bindungssicherheit. 

Besonders beim intuitiven Stillen wird die Selbstwirksamkeit des Säuglings gefördert und ein intensives Bonding kann unterstützt werden.

Doch was ist eigentlich intuitives Stillen? Im Englischen wird es als Biological Nurturing oder Laid-back Breastfeeding bezeichnet und ist eine wirksame und einfache Stillposition, die den Stillbeginn deutlich erleichtert und wunde Mamillen reduzieren kann. Entgegen der klassischen Stillpositionen, wie der Wiegehaltung, übernimmt hierbei der Säugling die Führung. Das A und O ist es, dass die Mutter bequem und gut gestützt zurück gelehnt ruhen kann. So hat das Baby die Möglichkeit sich ganz auf dem Körper der Mutter auszubreiten und genug Halt zu finden um selbstständig zur Brust robben zu können. Dabei werden die angeborenen Reflexe des Babys aktiviert und es sucht und erfasst die Mamille selbstständiger als bei den klassischen Stillpositionen. Viele Mütter sind überrascht wie gut das Baby hierfür schon das Köpfchen anheben kann und wie weit es dann den Mund öffnet um die Mamille zu erfassen. Das Selbstbewusstsein von Mutter und Baby wird gestärkt und ein intensiver Augenkontakt ist möglich. Wenn dieser nun nicht zusätzlich durch Medien unterbrochen wird, führt dies dazu, dass das Baby sich wahrgenommen fühlt und die stillfreundlichen Hormone noch intensiver fließen können. Es gibt kein Richtung und Falsch hierbei – das eigene Fühlen und Kennenlernen des Babys steht im Mittelpunkt der sich entwickelnden Stillbeziehung.  

Quellen:  
Bleckmann, P., Brauchli, V., Hantinger, M., Hilgerloh, M., Kalckreuth, B., Klein, A.M. et al. 
(2023).  Positionspapier. Digitale Medien und frühe Kindheit. Forschungsstand, 
Wirkungen und Empfehlungen. https://www.kindernetzwerk.at/wp
content/uploads/2023/08/GAIMH-Positi-onspapier-digitale-Medien-und-fruehe
Kindheit_Web2023_2.pdf?utm_source=chatgpt.com . Gesellschaft für seelische 
Gesundheit in der Frühen Kindheit e.V. 2022, Zugriff am 01.04.2026      

Bier, A. (2021). Intuitives Stillen als Prävention gegen wunde Mamillen und Stillprobleme in den ersten Tagen. https://www.stillen-institut.com/de/intuitives-stillen-als-praevention-gegen-wunde-mamillen-und-stillprobleme-in-den-ersten-tagen.html, Zugriff am 24.04.2026

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